Lyrik

Feuervogel

Nach dem Feuerwirbel, der heiß alles schwinden ließ, 
 verbrannte er zu Asche, die löchrig niederrieselte. 
 Verglimmt leuchtend vom Rückschlag niedergezwungen, 
 und gab des Scheiterns Ende wieder.
 
Doch Augen wie Sterne durchschauten den staubig-weichen Boden,
 blinzelten aus dem toten Körper.
 Ein beiges Schnäbelchen wagte sich tröstlich-wachsend in ein kühles Neu, 
 um zu schauen was Wunderschönes dieses Leben bringen mag.
 
Lange Flügel traten nun hervor, bestehend aus geschmeidig-sanften Federn.
 Dann, anfangs piepsend mit wackeligen kleinen Klauen, sich das Geborene aufragte.
 Aus dem Alt Neu geworden.
 Aus dem Tod Leben geworden.
 
 Kräftig schlugen die Schwingen mit feuerroten Lichtern.
 Rotorange glitzerten die Federn jung.
 Das Feuer der Pupillen schob sich brennend über Lider und Gefieder.
 Der erste Schrei des bebenden Halses flutete die Dunkelheit.
 So kreischte er der Nacht stolz und kämpferisch entgegen.

Anderssein 

Was bedeutet
 Anders
Was bedeutet
 Besonders
Besonderssein
 Besondersfühlen
Was ists
 Was uns aus macht
 Uns zum Denken und Fühlen bringt
Was kann ich tun um normal zu sein
 Will ich
 Kann ich 
Nein
 Anderssein
 Eine Aufgabe
 Ein Muss
Unterdrücken
 Das Irrationale
Nur ein Unterdrücken
 Der eigenen Integrität
Anders und schön
 Es geht
Nur Schwere liegt in der Luft
 Und zwingt
 Zu Langsamkeit
Und anders sein
 Es ist nicht und ist doch
 Besonders
Alleinsein
 Ist der Preis
 Vielleicht 
Und doch Zweisamkeit
 Ist der Wunsch
 Den ich habe
Und doch
 Nähe halte ich nicht aus
 Und warten auf den Moment
 Und Suchen nach dem Moment
 Und hoffen auf die Liebe
Dann wird
 Anderssein besonders
Und ich kann
 Die Marienkäfer
 Fliegen sehen…. 

Kirschblüten

 Ich schaue die Welt im Traum
 mein Baum begrüßt mich
 helle Kirschblüten tanzen
 der Sonne entgegen 
Ich drehe mich wild
 bewegt ist mein Kleid
 Kirschblüten tanzen
 nun mir entgegen
 
 Mein Körper
 verlässt den Boden
 Kirschblütenduft süßt den Wind
 rasche Drehungen hin zur Krone
 Äste biegen sich
 brechen nicht
 
 Über dem Baum endet das Wirbeln
 zart hält mich das Nichts
 
 Ich höre
 das Singen der Blüten
 sanft und rein
 ein geübter Chor
 warm und süß
 wie Zucker
 auf meinen Lippen
 zart und fein
 und fühle
 Wärme und Weichheit
 und weiter, weiter, ewig
 will ich hören…
 
 Da
 das Erwachen
 und ich richte mich auf
 die Sonne schaut ins Gesicht
 der Tag zeigt zur Arbeit
 
 Angekleidet vorm Spiegel
 zwinker ich mir zu
 
 verlasse den Raum


Farbensehen

Erstaunen weckt aus der Müdigkeit
 Plötzlich – nach langem Warten
 die Dinge zeigen ihre Farben 
ungewohntes bunt umringt
 die sandigen Wimpern
 blinde Träumereien ziehen davon
die Iris empfängt
 kräftiges Rot
 erhellendes Grün
 schillerndes Blau
 ein wilder Strudel
 formt glänzende Zwischentöne 
lächelnd bewundern
 schüchtern glauben
 glücklich spüren
das erfreute Farbensehen